Am Ende steht die Hilflosigkeit

Manchmal empfindet man diese Momente bitterer Enttäuschung. Gerade dann, wenn politische Rahmenbedingungen auf den Kopf gestellt werden, und man das Gefühl hat, dass alles in die falsche Richtung rennt und man am zweifeln ist, ob man selbst an das Richtige glaubt. Noch schlimmer sind später solche Momente, in denen man das Gefühl hat, nicht nur richtig (oder zumindest richtiger als andere) gelegen zu haben, sondern auch das Gefühl hat, dass alles noch schlimmer ist, als man es hätte befürchten können.

Ein solcher Moment ist nun schon wieder gekommen, und zwar mit dem Bekanntwerden um das NSA-Spionageprogramm PRISM. Der Direktüberwachung aller Nicht-US-Amerikaner durch den Geheimdienst der Vereinigten Staaten, mittels der Datenberge, die Menschen weltweit – und wohl auch die meisten von uns – freiwillig auf amerikanischen Servern hinterlegen.
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Breitband ist Grundlage für eine digitale Gesellschaft- Schlüsselprojekt “freies und schnelles Netz für alle”

In der letzten Woche wurden die Stimmzettel für den grünen Mitgliederentscheid verschickt und alle über 60.000 Mitglieder von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind nun aufgerufen für ihre Schlüsselprojekt zu stimmen.

Auch im Bereich der Netzpolitik gibt es einige interessante Projekte wie etwa die Reform des Urheberrechts (Projekt 42) und das Projekt 41 “Freies und schnelles Internet für alle – Breitbandausbau vorantreiben”. Projekt 41 scheint aktuell durch in der Debatte um die  #Drosselkom das aussichtsreichste Projekt zu sein » Weiterlesen

Teil 1: Wie’s gedacht war – Dezentralität als Kernidee des Internets / Tendenz zur Zentralität

„Das Internet ist dezentral. Und andere gefährliche Mythen“ 1 – So nannte Sebastian Deterding seine Präsentation auf der Republica 2010. Was es mit der Dezentralität bzw. Zentralität auf sich hat und welche politischen Dimensionen dahinter stecken, möchte ich in dieser Artikelserie näher beleuchten. Dieser Artikel erscheint zeitgleich auf junggruendigital.de und auf dem persönlichen Blog des Autors – eplinux.de.

Teil 1: Wie’s gedacht war – Dezentralität als Kernidee des Internets / Tendenz zur Zentralität

Zu Beginn der Artikelserie möchte ich einen kurzen Exkurs in die Zeit der Entstehung des Internets machen, da ich dies wichtig für das Verständnis von Dezentralität und darauf aufbauend auch Zentralität halte.

Damals, im Jahre 1969, arbeitete das US-Verteidigungsministerium an einem Projekt, welches die Universitäten und Forschungseinrichtungen miteinander verbinden – vernetzen – sollte, um die damals noch sehr knappen und teuren Ressourcen verteilen und damit besser nutzen zu können. Es entstand ein dezentraler Verbund von Computern, in dem Inhalte ausgetauscht und untereinander verfügbar gemacht werden konnten. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es demnach den Vorgänger dessen, was wir heute unter dem Begriff Internet verstehen. Zwar war die Technik noch nicht ausgereift und rudimentär, jedoch zeigt sich an der Entstehungsgeschichte des Internets ganz gut, was das Internet theoretisch ist – nämlich ein dezentraler Verbund von Computern.

Oberflächlich gesehen hat sich daran auch nicht viel geändert; es gibt grob genommen die Nutzer*innen, die mit Clients auf Dienste und Inhalte zugreifen (beispielsweise per Browser oder Emailprogramm), und die Anbieter*innen, die diese per Server bereitstellen. Und dennoch hat sich etwas Entscheidendes geändert – das Internet wird faktisch kaum noch dezentral genutzt ! Und das hat folgende Gründe: Zwar gibt es immer mehr Dienste und Inhalte, doch werden diese meist nur noch von wenigen großen Unternehmen bereitgestellt. Am besten eignen sich als Beispiele für diese Entwicklung wohl Google und Facebook. Beide sind inzwischen riesige Unternehmen, die eine feste Nutzer*innenzahl aufweisen – Tendenz: steigend. Sie zeichnen sich ebenfalls beide dadurch aus, dass ihre Strategie darauf ausgelegt ist, Nutzer*innen zu binden und ihnen eine komplette Infrastruktur, eine Art Rundumpaket, zu bieten. Diese These lässt sich gut durch die Fülle der Dienste und Funktionen beider Unternehmen belegen, die eng miteinander verzahnt dafür sorgen, die Nutzer*innen bei der Stange zu halten. Dies fängt bei Facebooks neuester Kreation „Facebook Home“, bei der ein Android-Smartphone zum „Facebook-Smartphone“ mutiert, an und findet auch bei Googles Portfolio von Kalender über Emailpostfach und Suche bis Onlinespeicher kein Ende. Diese Dienste sollen hier lediglich als Beispiele benannt werden, die Liste ließe sich nahezu unendlich fortsetzen.

Worauf ich nun aber hinauswill, ist, dass eine Zentralität geschaffen wird, indem ein*e Nutzer*in eben größtenteils nur noch eine Handvoll von Plattformen weniger Anbieter nutzt. Der Trend geht nämlich ganz klar dahin, Daten in die Cloud auszulagern, was den eben genannten Vorgang banal beschreibt.

Rekapitulieren wir das also noch einmal. All’ diese Dienste haben gemein, dass sie von einem einzigen Anbieter betrieben werden; es lässt sich hier also von Zentralität als Gegenpol zu Dezentralität sprechen. Diese gebündelten Dienste werden auch gemeinhin als Cloud bezeichnet. Die Nutzung weniger Anbieter sorgt also für eine Zentralisierung, da ein Großteil der Dienste von Wenigen betrieben werden, und dadurch auch nicht mehr dezentral, sondern zentral in der Obhut eines Anbieters sind.

Was nun die Vor- und Nachteile von Dezentralität beziehungsweise Zentralität sind und welche politschen Dimensionen dahinter stecken, werde ich im nächsten Teil näher beleuchten.

  1. http://www.slideshare.net/dings/das-internet-ist-dezentral-und-andere-gefhrliche-mythen

Das Ende des „Flatrate-Gefühls“

Dieses Gefühl, etwas nutzen zu können, ohne sich über die Kosten Gedanken machen zu müssen. Entweder, weil es kein kommerziell verwertetes Produkt ist (Luft, Straßen und so) oder weil es einen Pauschaltarif gibt. Das Studiticket für die S-Bahn zum Beispiel. Oder die DSL-Flatrate. Dieses Gefühl, das Abwesend sein der „Uhr“ die im Hinterkopf tickt und Kosten zählt wenn ich in die S-Bahn einsteige oder auf YouTube rumsurfe, das ist das, was ich das „Flatrate-Gefühl“ nenne.

Die Deutsche Telekom möchte dieses Gefühl abschaffen. Sie nennt das beschönigend „Integriertes Highspeed-Volumen wie im Mobilfunk“, doch es ist eben genau das Ende des Flatrate-Gefühls. Es ist die Wiedereinführung der Uhr im Kopf, die bei jedem Video tickt, auch wenn ich hier nicht in Euro sondern in Mbit/s bezahle wenn ich „verschwenderisch“ bin. Das ist mehr als eine Änderung der Tarife. Das ist der Anfang vom Ende der Flatrate wie wir sie im DSL-Bereich kennen. Das ist der Beginn dieser Uhr im Kopf, die wir alle so gut schon vom mobilen Internet kennen.

„Achso Netzpolitik – ich dachte schon, es wäre was ernstes“¹

Buffer overflow (Ressourcen überschritten)

Die vergangenen Tage und Wochen haben eine Vielzahl netzpolitischer Themen und Entscheidungen an den Tag gespült, die geeignet sind, einem Resignationsgefühl Raum zu geben. Die Verabschiedung des Leistungsschutzrechts im Bundesrat (das Dümmste, was (nicht nur) ich seit den Internetsperren erlebt habe), das Durchwinken einer folgenschweren, grundrechtsschleifenden Bestandsdatenauskunft, die Art und Weise, wie unsere Strafverfolgungsbehörden das letztendliche Nein des BVerfG zur Online-Durchsuchung zu ignorieren bereit sind. Auch wie der Staat die Sicherheitsstandards für das durch ihn gepushte, unattraktive De-Mail absenkt, die Telekom Vorbereitungen trifft, die Netzneutralität neuen Geschäftsmodellen zu opfern, die Erklärungen der NATO zum Thema Cyberwar, all das wird einem zu viel. Die Flut der Themen, die Schlagzahl netzpolitischer Niederlagen oder zusätzlicher Fronten, wird zu groß.²
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SimCity und der Always-on-Kopierschutz

Vor kurzem erschien eine neue Ausgabe des Videospielklassikers “Sim City“. Da @gj_digital kein Videospielemagazin ist, (und ich es gar nicht gespielt habe) folgt hier nun kein Review, sondern ein paar Gedanken zum Kopierschu bahnbrechenden Mehrspielerfeature. Man muss, um Sim City spielen zu können immer online sein. So schreibt etwa das Spielemagazin GameStar:

SimCity muss über EAs Online-Plattform Origin aktiviert werden. Ein Weiterverkauf ist anschließend nicht möglich. Zum Spielen ist außerdem eine permanente Online-Verbindung mit den SimCity-Servern nötig, ein Offline-Modus existiert nicht. Ärgerlich: Die Spielstände von SimCity werden nicht auf Ihrem PC gespeichert, sondern auf den EA-Servern – und das automatisch beim Verlassen des Spiels.

Und das ist der Punkt, warum ich diesen Sachverhalt für politisch relevant halte. Die Vertriebsfirma EA (Electronic Arts) zwingt allen Spielern einen Spielmodus auf (Städte können miteinander interagieren), und nimmt dies als Grund, die Spieler*in fester an sich zu binden, als je zuvor in Spielen, die nicht rein auf Mehrspielermodi ausgelegt sind. Wo zum Beispiel ein Word of Warcraft ganz offensichtlich ohne Internetverbindung nicht sinnvoll spielbar sein kann, ist das bei Sim City augenscheinlich nicht der Fall.

Das scheint auch ein anonymer ehemaliger Mitarbeiter von Maxis, der Firma, die das Spiel programmiert hat zu bestätigen:

 

Ich fasse die Kernaussage übersetzt zusammen, wenn Ihr es wissen lesen möchtet, lest die Quelle:

Die Server führen keine der Berechnungen durch, um die Stadt, die Sie spielen zu simulieren. Sie sind natürlich als Server im Einsatz, für einige Berechnung rund um Nachrichten zwischen Spielenden und Multiplayerfeatures. Aber für das Spiel selbst? Nein, sie tun nichts. Ich habe keine Ahnung, warum Sie [EA und Maxis] etwas anderes behaupten.

Es scheint also ganz so zu sein, als ob EA unter dem Vorwand, ein besonders “soziales” Spielerlebnis bieten zu können die Möglichkeit, offline zu sielen komplett vorenthält, und in der Öffentlichkeit einen technischen Grund anführt, den es nicht geben müsste, wenn EA das anders wollte.

Die Motivation liegt wohl auf der Hand. Es wird so wie es jetzt ist wesentlich schwieriger sein, das Spiel schwarz zu Kopieren, Weiterverkauf ist so wie so nur möglich, wenn EA dies gestattet. Für Spieler*innen heißt das: Ohne Server kein Spiel. Gerade in der ersten Woche kamen wohl sehr viele derer, die eine legale Kopie erworben haben nicht in den versprochenen Spielgenuß. Doch selbst wenn die Server in ein bis zwei Wochen problemlos laufen sollten: Irgendwann wird es sich für EA nicht mehr rechnen, diese zu betreiben, das Spiel wird nutzlos werden. In der kurzlebigen Computerspielewelt von heute kann das schneller passieren, als man seine Lieblingsstadt im Spiel nachgebaut hat. (Außer natürlich, es wird ein Update geben, welches den Einzelspielmodus aktiviert, aber laut Aussage von EA wäre das ja furchtbar aufwändig, wird also wohl kaum als “gratis Dreingabe”  für ein ein- bis zwei Jahre altes Spiel veröffentlicht werden).

Damit kauft man sich offensichtlich keine Lizenz mehr für ein Spiel, sondern schleißt einen Mitvertrag ab, den die Vertriebsfirma jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen kann. Schöne neue Spielewelt.

Über ähnliche Trends in der IT-Welt habe ich bereits geschrieben.

Ich glaube, ich suche mal meine alte Sim City 3000 CD. Das müsste heute noch laufen, ganz ohne EA-Server. Schöne alte Spielewelt!

Heise: “Abmahnunwesen: Kulturindustrie gegen gelb-schwarzen Kompromiss”

Es gab ja schon Menschen, die meinten, man könne sich berechtigte Hoffnungen darauf machen, dass die Bundesregierung dem Abmahnunwesen Einhalt gebietet. (Golem berichtete).

Heise meldet heute: Abmahnunwesen: Kulturindustrie gegen gelb-schwarzen Kompromiss

Laut dem Zeitungsbericht sieht der geänderte Gesetzesentwurf des Kulturstaatsministers noch mehr Ausnahmen vor, in denen die Kostendeckelung nicht gelten soll. Zuvor sollte sie etwa wegfallen, wenn der Abgemahnte bereits früher gegenüber dem Abmahner auffällig geworden ist. Neumann wolle jedoch, dass niemand, der bereits einmal abgemahnt wurde, auf gedeckelte Kosten hoffen darf. Dadurch werde aber eine Datenbank von Urheberrechtsverletzern notwendig. Weiterhin hinaus will Neumann die Möglichkeiten von fälschlicherweise Abgemahnten beschränken, finanziellen Ersatz für ihre Rechtsverteidigung zu bekommen.

Sie sehen schwarz-gelbe Lobbypolitik bei der Arbeit. Für einen Paradigmenwechsel in der Urheberrechtspolitik braucht es die Grünen, die mit “vergüten statt verfolgen” einen besseren Ansatz verfolgen. Änder das!

Urheber*innenrechtsticker am 29.01.2013

Heise meldet mal wieder was spannendes: Frankreich: Gewerkschaft fordert 140 Euro Strafe für Raubkopien

… plädierte die Gewerkschaft der unabhängigen Musikproduzenten Frankreichs (UPFI) für eine automatische Bestrafung von Verstößen des Urheberrechts mit einer Geldstrafe, ähnlich Strafzetteln im Straßenverkehr. Das vereinfachte Verfahren soll das Three-Strikes-Modell erweitern … [das] … Vertretern der Musikindustrie als zu schwerfällig erscheint.

… automatisch verhängte Geldstrafe in Höhe von 140 Euro …

(Hervorhebung im zitierten Text ist von mir.)

Kommentar: Eine Kultur, die gegen das Internet arbeitet, anstatt mit ihm, wird keine Zukunft haben, egal wie hoch die Strafen für “unrechtmäßige” Kopien sind. Ein weiteres trauriges Zeichen dafür, in welche Richtung die Pläne derer gehen, die immer noch glauben, man könne die einzelne Kopie sinnvoll und effektiv verhindern. Man kann es nicht, ohne massive Eingriffe in das Internet vor zu nehmen. GRÜN kann’s besser: Vergüten statt verfolgen.

Urheber*innenrechtsticker am 13.01.2013

Ein tragisches Ereignis (der Suizid von Aaron Swartz) hat Jens Ohlig dazu veranlasst, etwas zum Urheberrecht zu schreiben.

Ich möchte diesen Text nicht kommentieren, sondern einfach nur empfehlen, ihn zu lesen.

Urheber*innenrechtsticker am 10.01.2012

Telepolis meldet die Veröffentlichung einer “Copyright Collection” von Bob Dylan Werken. Wie bitte? Ja, lest selbst:

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